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Hilfe bei Demenz – Drei Schritte zum Umgang mit an Demenz erkrankten Personen

Schöne Momente sind auch in der Demenz möglich

Der Umgang mit einem Demenzkranken ist eine Herausforderung. Wahrscheinlich kennen Sie diese Herausforderung, falls Sie ein demenzkrankes Familienmitglied umsorgen: Ihre Partnerin/Ihren Partner, Ihre Mutter/Ihren Vater, Ihre Oma/Ihren Opa oder Ihre Schwiegermutter/Ihren Schwiegervater. Möglicherweise kennen Sie diese Person schon lange. In all den Jahren haben Sie gelernt, wie Sie miteinander umgehen können, wie Sie miteinander auskommen.

Warum der Umgang mit Demenzkranken eine Herausforderung ist?

Seit der Demenz ist Vieles anders

Infolge der Demenz verhält sich die Person, die Sie schon so lange kennen, plötzlich anders als zuvor. Vielleicht bemerken Sie, dass Ihr demenzkrankes Familienmitglied:

  • immer wieder den roten Faden im Gespräch verliert
  • vergisst, was er/sie kurz zuvor gesagt hat
  • Termine durcheinander bringt
  • sich in verschiedenen Situationen anders als früher oder „komisch“ verhält

Sie spüren, dass es nicht mehr ist wie vor Demenz. Verhaltensweisen (Umgangsweisen), die vor der Demenz gut gepasst haben, funktionieren jetzt nicht mehr.

Unsicherheit im Umgang mit der Demenz

Möglicherweise fühlen Sie sich unsicher, wie Sie Ihrem demenzkranken Familienmitglied begegnen sollen. Wie Sie sich richtig verhalten sollen.

Vielleicht

  • fühlen Sie sich hilflos
  • sind Sie ungeduldig oder frustriert
  • sind Sie besorgt oder verzweifelt

Eventuell haben Sie sogar das Gefühl, dass es nur noch bergab geht.

Es ist immer noch die selbe Person!

Ihr an Demenz erkranktes Familienmitglied ist immer noch die Person, die Sie schon lange kennen und lieben. Es gibt immer noch die Möglichkeit, schöne Momente zu erleben. Auch die Zeit mit Demenz ist eine Zeit, die Sie miteinander erleben können.

Es gibt eine Zeit vor der Demenz und jetzt ist die Zeit mit der Demenz.

Drei Schritte für schöne Momente in der Demenz

Schritt 1:  beim Umgang mit Demenzkranken
Vergangenheit – loslassen

In der Zeit mit der Demenz bekommen Sie die Möglichkeit, Ihr demenzerkranktes Familienmitglied neu kennen zu lernen. Im ersten Schritt ist es ganz besonders wichtig, dass Sie sich nicht an die Vergangenheit klammern.

Halten Sie an der Vergangenheit fest, so versäumen Sie die Gegenwart.

Für Sie selbst mag das bedeuten, liebgewordene Gewohnheiten aus der Vergangenheit loszulassen. Abschied von der Vergangenheit zu nehmen.

Schritt 2: beim Umgang mit Demenzkranken
Gegenwart – Ihre neue Rolle

Gelingt Ihnen dieser Abschied, können Sie sich im zweiten Schritt im Hier und Jetzt – also in der Gegenwart – neu auf Ihr an Demenz erkranktes Familienmitglied einlassen. Das ermöglicht Ihnen diese Person neu kennen zu lernen.
Mit diesem neuen Kennenlernen sind Sie aufgefordert, eine neue Rolle einzunehmen. Oft auch eine neue oder andere Verantwortung zu übernehmen.

Möglicherweise sind Sie in der Situation, Ihre Mutter zu pflegen. Dadurch vertauschen sich wahrscheinlich die Rollen:

  • Als pflegende Angehörige sind Sie die fürsorgende, pflegende Person. Sie übernehmen die Verantwortung, dass es Ihrer Mutter gut geht, dass sie sich gut aufgehoben fühlt.
  • Ihre Mutter übernimmt die Rolle des Kindes – was nicht bedeutet, dass Ihre Mutter zum Kind wird! Denn Ihre Mutter hat ihr Leben mit ihrer persönlichen Lebensgeschichte und mit allen Hochs und Tiefs hinter sich. Durch die Demenz ist Ihre Mutter aufgefordert, sich teilweise fallen zu lassen: Sich voll und ganz auf Sie einzulassen. Ihnen zu vertrauen. Jetzt sucht ihre Mutter Halt und Sicherheit bei Ihnen.

Schritt 3: beim Umgang mit Demenzkranken
Bedürfnis erkennen und ansprechen

Damit sind wir bei einem sehr wesentlichen Teil. Im dritten Schritt ist es wichtig, dass Sie die Bedürfnisse Ihres Familienmitglieds neu erkennen und neu verstehen lernen. Gelingt Ihnen das, kann Ihr Zusammenleben gut funktionieren.

Bei demenzkranken Personen, schwinden die Bedürfnisse nicht – im Gegenteil – Bedürfnisse bleiben!
Die Bedürfnisse werden aber oft – nach den Möglichkeiten der Person – unterschiedlich ausgedrückt!

In meinen Begegnungen mit demenzkranken Personen, habe ich gelernt: Die Beziehung verändert sich. Sie wird und kann, anders werden, sobald ich das Bedürfnis der betroffenen Person aufgreife. Wenn ich das Bedürfnis aufgreife, kann ich besser auf die betroffene Person eingehen.

Trotz Demenz und mit Demenz kann es schöne Momente geben!

Doch dieses Erfassen der Bedürfnisse von Demenzkranken wird erst möglich, wenn wir vermeiden, den Demenzkranken verändern zu wollen, Widerstand aufzubauen und nicht von unseren Vorstellungen ausgehen.

Jedes Verhalten eines Demenzkranken hat Sinn!
Jedes Verhalten eines Demenzkranken hat einen Grund!

Am wichtigsten ist:

  • Ihr demenzkrankes Familienmitglied dort zu unterstützen, wo es Schwierigkeiten hat
  • es in den Bereichen zu fördern, die Ihr demenzkrankes Familienmitglied noch gut kann
  • Die bevorzugten Sinne zu unterstützen: Sehen, Hören, Tasten, Schmecken, Riechen und sie dadurch zu aktivieren

Ihr an Demenz erkranktes Familienmitglied kann sich vielleicht nicht mehr klar in Worten ausdrücken. Nicht mehr sagen, was es will. Mag Einiges vergessen. Aber raschelt ein Geschenkpapier, kann dieses Rascheln strahlende Augen und ein Lächeln bei Ihrem geliebten Menschen hervorzaubern.